Die Geschichte der Hasag beginnt mit dem Jahr 1863.

Da nämlich wird Hugo Schneider im Alter von 27 Jahren Teilhaber des Blechschlossers Ernst Häckel. In dessen Betrieb in Wurzen werden Blechwaren und Lackierwaren hergestellt.

 

Am 23. September 1863 wird die Firma in Reudnitz registriert und die Adresse der Niederlassung war Chausseestraße 29 Ecke Heinrichstraße.

20 Mitarbeiter widmen sich der neuen Fertigung von Öllampen.

 

1871 wird Hugo Anton Schneider alleiniger Inhaber des Werkes, die Geschäfte gehen gut und der Exportmarkt wird erschlossen. 1877 wird die Fabrikation der Lampen vom alten Reudnitzer Schlosskeller in die Kohlgartenstraße43 verlegt. nach kurzer Zeit arbeiten dort über 200 Angestellte in der neuen Fabrik.

 

In seiner Amtszeit als Stadtverordneter von Leipzig (1880-1887)

vergrößert sich die Firma und 300 Angestellte fertigen nun Öllampen für den europäischen Markt, Südamerika, Asien und Australien.

 

Am 1. Juni 1888 verstirbt Hugo Anton Schneider im Alter von 52 Jahren, sein Sohn übernimmt die Firma. Johannes Schneider-Dörfel reorganisiert die Fertigung und die Produktpalette bis 1891. Nun werden nur noch Petroleumlampenbrenner gefertigt, woraufhin die Firma zum weltweit wichtigsten Produzenten für Petroleumbrenner avanciert.

 

1897 wird daraufhin ein Firmeneigenes Messingwalzwerk bei Paunsdorf errichtet.

 

1899 kommt es dann zum Börsengang: Auch wenn die Söhne Hugo Anton Schneiders bis zu ihrem Tode Direktoren der HASAG blieben, hatten doch ab da die Banken das Unternehmen . Die Darmstädter Bank und die Privatbank George Meyer errichten als Teilhaber zusammen mit zwei weiteren Banken und der Internationalen Bank ein Metallwarenwerk in Warschau.  Am Standort Paunsdorf entsteht ein neues Werk zur Herstellung von Lampenbrennern.

 

1902 beginnt die Fertigung von Starklichtlampen mit 200-3000 HK nach schwedischem Patent. Weiter fertigt man nun auch Spirituskocher, Fahrradlampen für Karbidbetrieb,  Petroleumöfen und weitere Messingblechartikel.

 

1903 wird die Berliner Konkurrenzfirma Wild&Wessel übernommen, woraufhin in Paunsdorf eine zweite Walzstraße errichtet wird.

 

1904 beginnt man mit der Fertigung von Autolampen und Scheinwerfern.

Außerdem wird die gesamte Fertigung und Verwaltung im Folgejahr nach Leipzig-Paunsdorf in einen modernen Fabrikbau verlegt. Das Werk in Reudnitz wird abgestoßen.

 

Bis 1913 wird die HASAG durch expansive Firmenpolitik zur wichtigsten Spezialfabrik für alle Arten von Petroleum- Gas- oder Spiritusbrennern oder Glühlichtern.

Exportiert wird über Außenhandelsniederlassungen in Rom, Paris und Mailand.

Ab 1910 unterhält die HASAG ein Exportlager in Hamburg.

 

Ab 1914 fertigt die Hasag Heeresausrüstung, beginnt mit der Munitionsfertigung und verdreifacht ihren Umsatz damit.

Nach dem Krieg sinkt die Fertigung wieder auf Vorkriegsniveau und die Hasag hat wie fast alle Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

 

Ab 1922 gehört Paunsdorf zu Leipzig, woraufhin die HASAG mit ihren 1785 Beschäftigten 1927 zum fünftgrößten Unternehmen in Leipzig wird.

Die im ersten Weltkrieg dazu gekommene Kunststoffproduktion wurde immer bedeutsamer, da die Absätze von Öllampen nur noch in Entwicklungsländern effektiven Umsatz erzielte und dabei die Konkurrenz aus Japan immer stärker wurde.

 

1931 werden die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auch innerhalb der HASAG deutlich, der Umsatz bricht ein.  Man erweitert unter neuer Führung die Produktpalette um zwei Glühlampenwerke in Thüringen. Durch die Finanzierung dieser Übernahmen wurde die Dresdner Bank Hauptaktionär der HASAG, und besitzt ab 1933 über 50% der Aktien.

1934 entsteht ein erstes Munitionswerk zur Belieferung der Reichswehr mit Infanteriemunition. Finanziert durch die Dresdner Bank wird die HASAG zu einem großen Rüstungskonzern umstrukturiert. Die Fertigung von Lampenteilen macht nur noch einen geringen Anteil aus.

1935 Kommt ein Munitionswerk in Berlin-Köpenick hinzu, 1936-1938 entstehen zwei weitere Werke mit Hilfe der neuen Wehrmacht und der Banken.

1937 errichtet die HASAG ein Werk in Meuselwitz, wo die Fertigung von Sturmlaternen auf Anlagen der aufgekauften Werke Stübgen und Kästner&Toebelmann aus Erfurt

weiter geführt wird.

 

1938, zum 75 Firmenjubiläum hat die HASAG 14.000 Beschäftigte.

 

Ab 1939 wird auch in Meuselwitz Munition produziert. Mit Kriegsausbruch fertigt die HASAG nur noch für die Wehrmacht, der Außenhandel ist eh zusammengebrochen.

27.000 Beschäftigte Arbeiten nun für den größten deutschen Munitionshersteller.

Es folgt die Errichtung des HASAG-Munitionswerk in Altenburg.

Bereits 1942 ist der Gewinn vom Werk Altenburg so hoch wie der Gewinn aller Hasag-Werke des Vorjahres zusammen.

Ab 1940 werden auch in Taucha an einem neu errichteten Standort Artilleriemunition und ab 1942 die von der Hasag entwickelten Panzerfäuste hergestellt.

 

Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen macht sich die Hasag ihre guten Beziehungen zum Oberkommando der Wehrmacht  zu nutze und übernimmt kommissarisch mehrere Werke in Polen. Nach kurzer Wiederanlaufphase kann die HASAG die werke günstig übernehmen. Das Problem sind ab 1942 zunehmend die polnischen Arbeiter, welche unwillig sind, für die Besatzungsmacht zu arbeiten.

Der durch die SS geplante Judenvernichtung zuvorkommend hatte die HASAG neben ihren neuen Werken bereits Lager errichten lassen, ab Juni 1943 arbeiten in den Fabriken der HASAG bereits 17.000 zumeist polnische Juden ohne Schutzkleidung für das Recht auf etwas Nahrung. Durch Kontamination arbeitsunfähige Zwangsarbeiter wurden Opfer von Massenerschießungen und durch Neue ersetzt.

 

1944 endet die Ostproduktion der HASAG mit dem nahen der Front.

1945 wird nach dem Ende des dritten Reiches die HASAG aufgelöst.

Die Hasag war die drittgrößte Vernichtungsindustrie des dritten Reiches, mehr Zwangsarbeiter kamen nur noch in den Unternehmen IG Farbenindustrie und Reichswerke Hermann Göring  ums Leben.

 

Hasag nach1945:  Offenbar wurde nach dem Ende des 2.Weltkrieges an zwei Standorten weiter gefertigt, nämlich in der DDR und in der Schweiz.

Ab 1932 ist Eugen Schatz eine eingetragene Firma in der Schweiz und importiert Lampen.

Diese vertreibt er unter seinem Namen, es werden Aufkleber oder Metallplaketten an den Tanks über den Herstellermarken angebracht. Dazu hatte er vermutlich das Vertragsrecht. Diese Handhabe war auch in Deutschland verbreitete Praxis, wie Tankmarken von "Starklicht Otte" oder "Alphons Senger" aus der Vorkriegszeit belegen.

Auch war es üblich, nur Lampenteile einzukaufen, wie z.B: Tanks, und eigene Lampenaufbauten zu montieren. So verfuhr auch Eugen Schatz in der Schweiz. Viele ungewöhnliche Umbauten finden sich an Lampen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945, die von Eugen Schatz vertrieben wurden.

Vermutlich entwickelte er erst nach dem Krieg seine Schweizer Armeelampe, die Hasag 551L .(später LD)  Da innerhalb der Schweizer Armee noch lange die Bezeichnung "Benzinvergaserlampe Modell Hasag" gebräuchlich war, vermute ich, dass Eugen Schatz - und später Meinrad Aschwanden - Namensrechte am Begriff "HASAG" besaßen und mit diesen ihre Lampen vertrieben.

 

Parallel wurde in der sowjetisch besetzten Zone, später DDR, die Fertigung auf den Maschinen der Hasag einfach wieder aufgenommen. Das ist in soweit erst einmal nicht verwerflich, allerdings hatte man einfach wieder "HASAG" auf die Tanks geprägt und dieser Markenname war in Deutschland mit Auflösung des Konzerns gesperrt worden. Wie lange die Modelle 351L und 252 in der DDR unbehelligt gefertigt wurden, ist ungewiss. Dass von westlicher Seite dagegen etwas unternommen wurde, belegen Lampen, die dann mit dem gespiegelten Markennamen "GASAH" in den Handel gelangten. Ab September 1956 hatte dann die VEB Leuchtenbau Leipzig die Rechte an der Wortmarke Hasag und meldete sämtliche Produkte der vorkriegs--HASAG unter ihrem Namen an.  Diese Rechte hatte sie sich bis November 1973 schützen lassen.

Die HASAG 252 wurde noch umbenannt in "GEM-MAX", ob und wann ihre Fertigung eingestellt wurde, ist unbekannt. Die 351L wurde noch lange weiter produziert unter MEWA-Starklichtlampe, später noch unter BAT. Zudem wurde für den Export in die Warschauer Paktstaaten parallel zur grünen MEWA-Starklichtlampe durch die VEB Leuchtenbau noch bis weit in die 1960iger Jahre eine HASAG-351L-Version in verchromt und mit externem Manometer gefertigt, welche bis auf ihr äußeres alle Veränderungen parallel zur MEWA mit durchlief.  Viele Veränderungen schlichen sich ein, Teile zwischen HASAG 351L Vorkriegs- und DDR-Nachkriegslampen sind nur selten untereinander austauschbar.



Literaturempfehlungen:

 

Worm, Holger: Die Hugo Schneider A.-G. Leipzig 2007

 

Hesse, Klaus: Von der Petroleumlampe zum Rüstungskonzern - Zur Unternehmensgeschichte der Hugo Schneider AG. (HASAG)

 

Deutsches Patent- und Markenamt, Registernummer DD 463881



Karay, Felicja: Wir lebten zwischen Granaten und Gedichten; Das Frauenlager der Rüstungsfabrik HASAG im dritten Reich. Böhlau 2001

 

Leipzig-Permosenstraße-Zur Geschichte eines Industriestandorts. Hrsg. von:

UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH, Leipzig 2001